Navigation

Dr. Michael Veeh

Portrait Michael Veeh
  • Tätigkeit: Lehrbeauftragter
  • Organisation: Department Geschichte
  • Abteilung: Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit
  • Adresse:
    Kochstraße 4
    91054 Erlangen

Organisatorisches

Im Wintersemester 17/18: nach Vereinbarung

Semesterferien: nach Vereinbarung

###

Zur Person

Geboren 1980 in Nürnberg, Abitur am Neuen Gymnasium

Studium der Germanistik, Geschichte und Romanistik an den Universitäten Regensburg, Erlangen-Nürnberg und Freiburg i. Br.

2006 1. Staatsexamen in Freiburg i. Br., anschließend Referendariat und 2. Staatsexamen am E. T. A. Hoffmann-Gymnasium Bamberg

2012 Promotion an der Philosophischen Fakultät der Universität Fribourg/Schweiz.

seit 2009 Hauptamtlicher Gymnasiallehrer am Johannes-Scharrer-Gymnasium in Nürnberg

seit 2011 Lehrauftrag am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der FAU Erlangen-Nürnberg; weitere Lehraufträge an den Universitäten Regensburg und Freiburg i. Br.

2015-16 Assistenz am Lehrstuhl für Ältere deutsche Literatur der Universität Regensburg (Teilabordnung)

seit 2017 Auslandsdienstlehrkraft an der Deutschen Schule Lissabon

  • Mythos Nürnberg / Nürnberg als Erinnerungsort
  • Interdisziplinäre Erforschung frühneuzeitlicher Kulturgeschichte an den Schnittstellen zwischen Geschichts- und Literaturwissenschaft
  • Geschichte Westeuropas und Lateinamerikas
  • Brücken zwischen universitärer Forschung und Schule

Forschungsprojekt:

‚Mythos Nürnberg – narrative Imaginationen einer europäischen Stadt’

 

Nürnberg war nicht nur Mittelpunkt zentraler Ereignisse deutscher und europäischer Geschichte, sondern avancierte im Laufe der Jahrhunderte auch selbst zum Sujet unterschiedlichster Geschichten und Erzählungen. Die Bandbreite beginnt im Spätmittelalter und im Renaissance-Humanismus mit selbstbewussten und rühmenden Inszenierungen der Reichsstadt, erhält durch die romantisierende Wiederentdeckung des Mittelalters ab dem späten 18. Jahrhundert neuen Auftrieb, erlebt ihren dunkelsten Höhepunkt dann in der sogenannten Literatur des Dritten Reiches und mündet schließlich in eine Phase der erzählerischen Vergangenheitsbewältigung und Neujustierung des Stadtbilds nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die noch bis in unsere Gegenwart hineinzuwirken scheint. Nürnberg gehört dabei keineswegs in allen Epochen zu den beliebtesten Orten der Literatur – bemerkenswert ist vielmehr, dass diese Stadt wie kaum eine andere im deutschen Sprachraum epochenübergreifend zum literarischen Thema mit überregionaler Bedeutung avancierte.

 

Zwar existieren bereits mehrere Untersuchungen, die – teilweise punktuell, teilweise aber auch umfassender – die Geschichte der Literatur aus Nürnberg bzw. aus Franken untersuchen oder Nürnberg als Symbolort einer spezifisch deutschen Identität beleuchten. Eine dezidierte diachrone Betrachtung und Bewertung literarischer Erzählungen über Nürnberg steht dagegen bislang noch aus. Im Rahmen dieses interdisziplinären Forschungsprojekts zwischen Alt- und Neugermanistik, aber auch zwischen Literaturwissenschaft und benachbarten Disziplinen wie Geschichte und Vergleichender Kulturwissenschaft soll diese Lücke geschlossen werden, indem die profiliertesten literarischen Nürnberg-Imaginationen vom Spätmittelalter bis in unsere Gegenwart eingehend erschlossen, systematisiert und interpretiert werden.

 

Für Stadterzählungen im Allgemeinen gilt, dass sie einerseits eine vorhandene Erinnerungskultur spiegeln und tradieren, dass sie aber andererseits gerade auch maßgeblich zu deren Konstruktion, Stiftung und Manifestierung beitragen. Verschiedene Blickwinkel und Stoßrichtungen erscheinen dabei möglich: In vielen Fällen geht es darum, dass sich die Bewohner einer Stadt als Erinnerungsgemeinschaft ihrer eigenen Identität versichern und diese ‚Corporate Identity’ nach innen oder aber nach außen vermitteln wollen. Darüber hinaus können jedoch auch externe Perspektiven eingenommen und damit Fremdzuschreibungen vollzogen werden, wenn also ein Außenstehender über die Stadt und ihre Bewohner erzählt – als vornehmliche Adressaten kommen auch hier wieder entweder die Stadtgemeinschaft selbst oder aber Außenstehende in Betracht. Solche unterschiedlichen Perspektivierungen werden bei der Auseinandersetzung mit dem Nürnberger Beispiel maßgeblich mit zu berücksichtigen sein und bereiten möglicherweise schon ein erstes grobes Raster zur Gruppierung einschlägiger Texte vor.

 

Im Rahmen einer kulturwissenschaftlich ausgerichteten Auseinandersetzung mit Stadtnarrationen ist von einem möglichst weitgefassten Literaturbegriff auszugehen: Interessant sind neben Texten, die als ‚Dichtung’ im engeren Sinne zu verstehen sind, auch Texte, die an der Schnittstelle zwischen Fiktionalität und Faktualität stehen, z. B. Stadtchroniken, (Auto-)Biographien, das weite Feld der Reiseberichte oder Reiseführer, die ebenfalls mit narrativen Mittel Stadt-Imaginationen inszenieren und transportieren.

 

In der geplanten Studie sollen nach einer umfangreichen Bestandsaufnahme und Auswahl relevanter Texte insbesondere folgende Fragestellungen beantwortet werden:

  1. Was wird über Nürnberg und seine Bewohner erzählt? Welche Räume, welche Personen, welche Ereignisse und Artefakte bestimmen den Mythos und Erinnerungsort Nürnberg auf der Ebene des Beschriebenen?
  2. Welche Frequenz, welche Halbwertszeit haben die erzählten Stadtmythen und ihre jeweiligen narrativen Versatzstücke? Welche Muster setzen sich in der Erinnerungskultur längerfristig durch, welche nicht, welche Muster divergieren, welche konvergieren?
  3. Wer erzählt und in welche Richtung erzählt er? Wird ein Blickwinkel von außen eingenommen oder ein interner, innerstädtischer? Wird für die Gruppe der Stadtbürger erzählt oder für Außenstehende? Welche Unterschiede ergeben sich je nach Richtung?
  4. Welche Funktion haben, welche Wirkung erzielen die Stadterzählungen in ihren jeweiligen Entstehungs- und Rezeptionskontexten?

 

Davon ausgehend ist es ein übergreifendes Ziel, anhand der Nürnberger Stadterzählungen ein Instrumentarium zur Erschließung  von Stadtnarrationen zu erstellen, das im Idealfall auch auf andere Städte übertragen werden kann.

  • Festvortrag im Weimar anlässlich der Präsentation des neuen Goethe-Jahrbuchs der Goethe-Gesellschaft zum Thema: Goethes ‚Faust’ in Comic-Zeichnungen (15. August 2017)

Mitgliedschaften

  • Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg
  • Goethe-Gesellschaft in Weimar
  • Hochschulgermanistik in Bayern

Funktionen